DBfK aktuell - Juli 2026

Gesundheit wartet nicht bis Schulschluss

Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Alltags in der Schule. Dort lernen sie nicht nur – sie leben dort. Mit chronischen Erkrankungen, akuten Beschwerden, psychischen Belastungen, Krisen, Ausgrenzung und sozialer Ungleichheit. Genau deshalb gehören Gesundheitswissen, Prävention und pflegefachliche Unterstützung auch in die Schule.

Für den DBfK ist Schulgesundheitspflege seit Jahren ein wichtiges berufspolitisches Thema. Der Verband setzt sich dafür ein, dass Schulgesundheitspflegende nicht länger als Modellprojekt oder freiwilliges Zusatzangebot behandelt, sondern als eigenständiges pflegerisches Handlungsfeld anerkannt, gesetzlich verankert und dauerhaft finanziert werden.

Ein neuer Bericht eines interdisziplinären Expert:innengremiums zur Schulgesundheitspflege/School Nursing, an dem DBfK-Expert:innen maßgeblich mitgewirkt haben, bestätigt diese Forderungen nun deutlich. Er beschreibt die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland als alarmierend: Psychische Belastungen, chronische Erkrankungen und soziale Ungleichheiten nehmen zu, während Gesundheitskompetenz sinkt. School Nurses können im schulischen Alltag präventiv, akut und kontinuierlich unterstützen und damit Inklusion, Bildungsteilhabe und Gesundheitskompetenz stärken.

„Schule ist ein Ort, an dem gelebt wird, und Gesundheit wartet nicht, bis die Schule aus ist. Nur wer sich gesund fühlt, kann am Unterricht teilnehmen“, sagt Nadine Haunstetter, Schulgesundheitspflegende aus Stuttgart, Mitglied der DBfK-Fachgruppe Schulgesundheitspflege und Mitautorin des Expert:innenberichts.

Verbindungspunkt eines multiprofessionellen Teams

School Nurses übernehmen weit mehr als Erste Hilfe. Sie begleiten Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Epilepsie, unterstützen bei akuten Beschwerden, beraten Schüler:innen, Eltern und Lehrende, stärken Gesundheitskompetenz und arbeiten in multiprofessionellen Teams mit Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und weiteren Akteur:innen zusammen.

Damit wird deutlich, warum dieses Thema für den DBfK so zentral ist: Schulgesundheitspflege zeigt, was professionelle Pflege leisten kann, wenn sie mit eigener Kompetenz, Verantwortung und klarer Rolle in Versorgungsstrukturen eingebunden wird. School Nurses sind nicht „helfende Hände“ im Schulalltag. Sie sind qualifizierte Pflegefachpersonen, die Gesundheitsrisiken einschätzen, Kinder und Familien begleiten, Prävention ermöglichen, Versorgung koordinieren und Teilhabe sichern.

„Wir sprechen politisch viel über Prävention, mentale Gesundheit, Inklusion und Bildungsgerechtigkeit. School Nurses verbinden all diese Ziele im konkreten Schulalltag“, sagt Andrea Kiefer, Vorsitzende des DBfK Südwest und Mitautorin des Expertenberichts. „Dafür braucht es jetzt gesetzliche Verankerung, dauerhafte Finanzierung und bundeseinheitliche Qualifikationsstandards.“

Der Bericht zeigt zugleich, wie uneinheitlich die Lage in Deutschland ist. Einige Bundesländer haben Schulgesundheitspflege bereits eingeführt oder verstetigt, vielerorts fehlen entsprechende Strukturen weiterhin vollständig. Ob Kinder im Schulalltag professionelle gesundheitliche Unterstützung erhalten, hängt damit noch immer stark vom Wohnort, von einzelnen Modellprojekten oder vom Engagement vor Ort ab.

Spezialisiertes pflegerisches Handlungsfeld

Aus Sicht des DBfK ist das nicht akzeptabel. Schulgesundheitspflege muss verbindlich im Schul- und Gesundheitsrecht verankert werden. Sie braucht eine dauerhafte und auskömmliche Finanzierung sowie klare Qualifikationsstandards. School Nursing ist ein spezialisiertes pflegerisches Handlungsfeld – und muss als solches anerkannt werden.

Der DBfK wird den Bericht deshalb in seine politische Arbeit einbringen: gegenüber Politik, Ministerien, Ländern und weiteren Akteur:innen im Gesundheits- und Bildungswesen. Ziel ist, Schulgesundheitspflegende als festen Bestandteil moderner Präventions-, Bildungs- und Versorgungspolitik zu verankern.

„Jedes Kind hat ein Recht darauf, in der Schule sicher, gesund und unterstützt lernen zu können“, erklärt DBfK-Präsidentin Vera Lux. „School Nurses sind kein Luxus, sondern eine Investition in Kindergesundheit, Bildungserfolg und eine leistungsfähige, zukunftsfähige Gesellschaft.“

Dieses Thema zeigt beispielhaft, worum es berufspolitisch geht: Pflege muss dort mitgestalten, wo Gesundheit entsteht, erhalten und geschützt wird. Schule ist dafür ein zentraler Ort. Gesundheit endet nicht am Schultor – und sie beginnt auch nicht erst nach Unterrichtsschluss.

Der Expert:innenbericht zum Download

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